- Allgemeines -

Seit vielen Jahren wird die Problematik der Sterbehilfe in der Öffentlichkeit mit unterschiedlichen Standpunkten diskutiert. Viele von uns kennen derartige Fälle aus der eigenen Verwandtschaft oder dem Bekanntenkreis. Wir sind schmerzlich betroffen, wenn es um das Sterben von Schwerstkranken geht. Wann ist eine medizinische Therapie nicht mehr mit dem Willen des Kranken bzw. des Sterbenden und der menschlichen Würde vereinbar? Was kann ich heute tun, damit mein Wille in dieser entscheidenden Situation berücksichtig und beachtet wird? Wir können heute schon durch das Erteilen einer Vorsorgevollmacht und das Aufsetzen einer Patientenverfügung vorsorgen, damit unser Wille zur Behandlung oder Nicht-Behandlung im Rahmen der legalen Sterbehilfe dokumentiert ist. So erleichtern wir es unseren Angehörigen, Ärzten und Pflegern, unsere Entscheidung zu verwirklichen.

Begriffe und Erläuterungen

Sterbebegleitung als Dachbegriff für

-   die Behandlung in Verbindung mit der Palliativmedizin 
-   die Sterbebegleitung im Sinne der Hospizbewegung
-   die Möglichkeiten der Sterbehilfe

Der  Todesbegriff war historisch gesehen einem erheblichen Wandel ausgesetzt. Früher kannte man nur den Stillstand von Herztätigkeit und Atmung. Dieser Zustand konnte heute mit Hilfe moderner Medizintechnik überwunden werden, so dass neue Kriterien maßgeblich wurden.

Der Herz-Kreislauf-Tod tritt durch den Stillstand von Atmung und Herz-Kreislauf-Tätigkeit ein (sog. klinischer Tod). Dieser Zustand muss endgültig sein.

Der Hirntod liegt bei vollständigem und unumkehrbaren Ausfall sämtlicher Funktionen des Gehirns vor. Für weiteres ärztliches Handeln fehlt die Indikation.

Die genaue Feststellung des Zeitpunktes des Todes ist in vielen Rechtsgebieten wichtig, weil sich daran unterschiedliche Rechtsfolgen anknüpfen; z. B. im Erbrecht für die Erbfolge.

Die zeitliche Feststellung des Herz-Kreislauf-Todes ist relativ einfach. Da die Funktionen des Gehirns nicht gleichzeitig aussetzen, ist der Zeitpunkt des Hirntodes schwieriger festzustellen. Der Hirntod ist für eine Transplantation entscheidend; nach überwiegender Ansicht auch für das Erbrecht gerade dann, wenn Herz und Kreislauf noch nach dem Hirntod durch Medizintechnik in Gang gehalten werden (Manipulationsgefahr).

Sterben ist selten ein schmerzloser und kurzer Moment. Der Fortschritt der Medizin, insbesondere durch den Einsatz modernster Technik, hat die Bedingungen geändert, unter denen heute gestorben wird. Der Mensch hat sich mehr und mehr zum Mittler zwischen Leben und Tod gemacht. Der Zeitpunkt des Todes ist heute mehr denn je machbar.

 

Sterbebegleitung ist in den geltenden Grundsätzen der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung umfassend beschrieben und für Ärzte auch verpflichtend geworden, und zwar mit der Maßgabe, dass der Wille des Patienten vorrangig zu beachten ist (erstmals 1998).

Wenn das Leiden und der Todeskampf des Patienten verkürzt werden soll oder der Sterbevorgang vorzeitig eingeleitet wird, spricht man von Sterbehilfe.

 

Palliativmedizin ist die aktive, ganzheitliche Behandlung von Patienten mit einer progredienten, weit fortgeschrittenen Erkrankung und einer begrenzten Lebenserwartung zu der Zeit, in der die Erkrankung nicht mehr auf kurative Behandlung anspricht und die Beherrschung der Schmerzen, anderer Krankheitsbeschwerden, psychologischer, sozialer und spiritueller Probleme höchste Priorität besitzt (Definition der Weltgesundheitsorganisation - WHO).

Palliativmedizin schließt die Berücksichtigung der Bedürfnisse der Familie vor und nach dem Tod des Patienten ein (aus der Definition der Palliativmedizin der European Association for Palliative Care).

Sie ist rechtlich als zulässige indirekte Sterbehilfe einzuordnen.

Sterbebegleitung im Sinne der Hospizbewegung bedeutet hier, dem Menschen das Sterben in seinem natürlichen Verlauf zu belassen und ihm dabei mit einer modernen Schmerztherapie menschenwürdig zur Seite zu stehen. Sterbebegleitung in diesem Sinne verbietet also den Behandlungsabbruch.

Wenn das Leiden und der Todeskampf des Patienten verkürzt werden oder der Sterbevorgang vorzeitig eingeleitet wird, spricht man von Sterbehilfe.

Von aktiver Sterbehilfe wird gesprochen, wenn der Arzt oder ein Dritter aktiv im Sinne eines kausalen Handelns in den Sterbevorgang eingreift oder bei einem unheilbaren Kranken den Sterbevorgang überhaupt erst einleitet und den Tod dadurch gezielt herbeiführt.

Motiv des Handelns ist hierbei, dass durch dieses Töten das Leiden des Patienten beendet wird.

Von indirekter Sterbehilfe wird gesprochen, wenn bei einer medikamentösen Therapie, z. B. bei der Verabreichung von schmerzlindernden Mitteln, unbeabsichtigt aber unvermeidbar als Nebenfolge bewusst in Kauf genommen wird, dass der Tod schneller eintritt ("Hilfe im Sterben").

Motiv des Handelns ist hier, das Leiden des Patienten durch das Verabreichen von Medikamenten zu lindern, auch wenn dadurch als Nebenfolge ein früherer Eintritt des Todes möglich erscheint.

Dies ist auch in der katholischen Moraltheologie bereits seit 1948 auf der Grundlage einer offiziellen Ansprache von Papst Pius XII. zulässig.

Von passiver Sterbehilfe wird gesprochen, wenn auf den Einsatz einer das Leben oder das Sterben verlängernden Therapie verzichtet oder eine solche bereits begonnene Therapie abgebrochen wird ("Hilfe zum Sterben").

Motiv des Handelns ist hier, den natürlichen Verlauf des Sterbens eines Patienten zuzulassen und das Leben bzw. Sterben nicht künstlich zu verlängern.

Mit der Sterbehilfe ist immer aktives Tun verbunden. Deswegen ist die begriffliche Differenzierung zwischen aktiver und passiver/indirekter Sterbehilfe ungenau und irreführend. Da "aktive Sterbehilfe"  -  je nach Motiv - Mord, Totschlag oder Tötung auf Verlangen sein kann, sollte man es bei diesen Begriffen belassen und den Begriff der positiv besetzten Sterbehilfe nur bei den Tatbeständen verwenden, die bislang mit passiver und indirekter Sterbehilfe bezeichnet wurden.

Rechtliche Voraussetzungen der erlaubten Sterbehilfe sind

-   medizinische Indikation
-   Einwilligung des Patienten nach erfolgter umfassender Aufklärung
   -   durch unmittelbare Aussage des ansprechbaren Patienten
   -   bei nicht ansprechbaren Patienten durch 
       -   eine frühere schriftliche Niederlegung (Patientenverfügung), deren
           Wirksamkeit nachprüfbar ist
       -   Ermittlung seines mutmaßlichen Willens
           In diesen beiden Fällen hat die Aufklärung gegenüber seinem Vertreter
           (Betreuer oder Bevollmächtigter) zu erfolgen.

Letztendlich ist bei Uneinigkeit zwischen dem Patienten bzw. seinem Vertreter und dem Arzt das Gericht einzuschalten, das sich aber nicht einfach über den Willen des Patienten hinwegsetzen darf.

Verfassungsrechtliche Aspekte:

Abwägung zwischen
-  dem Schutz des Lebens dienenden Tötungsverbot und der Autonomie des 
   Patienten 
-  dem Selbstbestimmungsrecht nach Artikel 1 Abs. 1 GG und dem Recht auf 
   freie Persönlichkeitsentfaltung nach Artikel 2 Abs. 1 GG